Actionsportzentrum CASA

Actionsportzentrum CASA

München, Deutschland

Bauherr

Landeshauptstadt München, Referat für Bildung und Sport, Projektleitung Baureferat

Planender Architekt

Behnisch Architekturbüro

Ausführender Architekt

Behnisch Architekturbüro mit ALN Architekten

Technische Daten

Dach: Winkelstehfalzsystem
RHEINZINK-prePATINA schiefergrau

Dach: Doppelstehfalzsystem
RHEINZINK-prePATINA schiefergrau

Copyright Bilder

David Matthiessen

Industriedenkmal in Bewegung: Nachhaltige Dachsanierung mit RHEINZINK

Wo heute Skateboards rollen, BMX-Räder über Rampen springen und Familien auf den Stufen des Cafés verweilen, stand lange Zeit eine leerstehende Industriehalle. Die ehemalige Eggenfabrik im Münchner Westen, erbaut 1909/1910, hätte wie viele historische Gewerbebauten verschwinden können. Stattdessen wurde sie zum Ausgangspunkt einer außergewöhnlichen Transformation: Aus dem denkmalgeschützten Bestand entstand ein Actionsportzentrum, das Sportstätte, Nachbarschaftstreff und Modellprojekt für nachhaltiges Bauen im Bestand zugleich ist. Im Mittelpunkt steht dabei ein Ansatz, der aktueller kaum sein könnte: Bestehende Gebäude nicht als Hindernis, sondern als Ressource zu verstehen. Gemeinsam mit der Landeshauptstadt München entwickelten Behnisch Architekten einen Ort, der historische Substanz bewahrt, soziale Teilhabe fördert und gleichzeitig neue Antworten auf die Herausforderungen des Bauens von morgen gibt.
„Wir wollten zeigen, dass man aus etwas Altem etwas Neues machen kann. Denkmalschutz und moderne Architektur schließen sich nämlich nicht aus. Sie sollten in einen konstruktiven Dialog treten und sich gegenseitig stärken“, sagt Andrada Bauer, Architektin bei Behnisch Architekturbüro.


Bestand weiterdenken statt neu bauen

Die ehemalige Fabrikhalle blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Nach unterschiedlichen gewerblichen Nutzungen stand das Gebäude viele Jahre leer. Mit dem wachsenden Bedarf an wetterunabhängigen Flächen für Actionsportarten rückte der Standort jedoch erneut in den Fokus. Neben einem Neubau entschied sich die Stadt bewusst für die Aktivierung des Bestands der Eggenfabrik. Denn jede erhaltene Tragstruktur, jede bestehende Wand und jedes weitergenutzte Bauteil spart Ressourcen, vermeidet Emissionen und bewahrt bereits gebundene graue Energie. „Bestandsgebäude können als Rohstofflager verstanden werden“, erklärt Bauer. „Durch ihren Erhalt vermeiden wir neue Flächenversiegelung und sparen erhebliche Mengen an CO₂ ein.“


Architektur für Teilhabe 

Von Beginn an war das Actionsportzentrum als offener Ort für alle gedacht. Gemeinsam mit zukünftigen Nutzerinnen und Nutzern entwickelte die Stadt München ein Raumprogramm, das weit über die Anforderungen einer klassischen Sporthalle hinausgeht.
Taktile Leitsysteme, kontrastreiche Oberflächen, barrierefreie Wegeführungen sowie speziell abgestimmte technische Lösungen ermöglichen die Nutzung auch für Menschen mit Seh-, Hör- oder Mobilitätseinschränkungen. „Das Wichtigste an diesem Ort ist, dass sich jeder willkommen fühlt – unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialem Hintergrund.“
 

Das Dach als architektonisches Herzstück

Kaum ein Bauteil prägt die Transformation der ehemaligen Fabrikhalle so stark wie das neue Dach. Über der historischen Stahlkonstruktion entstand eine zeitgemäße Dachlandschaft aus Holz, Glas, Photovoltaik und RHEINZINK. Ein neu entwickeltes Oberlicht bringt Tageslicht tief in die Halle, verbessert die Belichtung der Sportflächen und übernimmt gleichzeitig Funktionen der Entrauchung und natürlichen Belüftung.
In die Verglasung integrierte Photovoltaikmodule erzeugen regenerative Energie und sorgen zugleich für Verschattung.


RHEINZINK verbindet Bestand und Zukunft

Neben dem großzügigen Glasoberlicht prägt eine Dacheindeckung aus RHEINZINK-prePATINA schiefergrau die neue Dachlandschaft. Die Wahl des Materials erfolgte bewusst. Zum einen fügt sich die vorbewitterte Oberfläche harmonisch in den industriellen Charakter des Gebäudes ein. Zum anderen erfüllte das Material die anspruchsvollen technischen Anforderungen des denkmalgeschützten Tonnendachs. Die Dachflächen weisen unterschiedliche Neigungen zwischen 13 und 60 Grad auf. Mit der Doppelstehfalztechnik ließ sich diese komplexe Geometrie präzise und dauerhaft umsetzen. „Mit der Doppelstehfalzdeckung konnten wir die unterschiedlichen Dachneigungen problemlos ausführen“, erklärt Bauer. „Gleichzeitig verleiht die Lineatur dem Dach eine klare Struktur und eine ruhige Erscheinung“. Die feinen Stehfalze unterstreichen die Form des Daches und schaffen eine präzise, handwerklich geprägte Oberfläche, die den industriellen Charakter des Gebäudes auf zeitgemäße Weise weiterführt.
 

Langlebigkeit als Teil der Nachhaltigkeitsstrategie

Nachhaltigkeit wurde beim Actionsportzentrum konsequent über den gesamten Lebenszyklus betrachtet. Neben dem Erhalt des Bestands spielten dabei langlebige, wartungsarme und kreislauffähige Materialien eine zentrale Rolle.
RHEINZINK fügt sich in diese Strategie nahtlos ein. Die hohe Lebensdauer, die Pflegeleichtigkeit und die vollständige Recyclingfähigkeit unterstützen den Anspruch eines ressourcenschonenden Bauens.
„Man kann die Bahnen problemlos zurückbauen und wieder in einen Kreislauf einbringen“, so Bauer.
 

Ein Ort mit Zukunft

Das Actionsportzentrum zeigt, welches Potenzial in der Transformation bestehender Gebäude steckt. Heute treffen hier Kinder, Jugendliche, Sportlerinnen, Familien und Nachbarn aufeinander. Die ehemalige Industriehalle ist wieder Teil des städtischen Lebens geworden – und beweist, dass nachhaltiges Bauen nicht immer bei Null beginnen muss. Oder wie Andrada Bauer es zusammenfasst: „Zirkularität, Bestandserhalt und Identität – das sind die drei Begriffe, die dieses Projekt für mich beschreiben.“
 

Über die Architektin

Andrada Bauer ist Architektin bei Behnisch Architekturbüro und seit mehr als zehn Jahren Teil des Münchner Büros. Nach ihrem Architekturstudium betreute sie zahlreiche Bildungs- und öffentliche Bauprojekte. Beim Actionsportzentrum München verantwortete sie wesentliche Teile der Ausführungsplanung und begleitete den ersten Bauabschnitt bis zur Fertigstellung. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen nachhaltige Architektur, Bauen im Bestand sowie die Entwicklung von Gebäuden mit hoher sozialer und gesellschaftlicher Wirkung.
 

Actionsportzentrum CASA
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